Krankenhausentlassung: Checkliste für die ersten 48 Stunden zu Hause
Der Anruf kommt oft kurzfristig: „Ihre Mutter wird morgen entlassen.“ Was Sie noch in der Klinik klären, was in den ersten zwei Tagen zu Hause wichtig ist und wer Ihnen dabei hilft.
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Zwei Wochen Krankenhaus nach dem Oberschenkelbruch. Dann der Anruf: „Morgen Vormittag kann Ihre Mutter nach Hause.“ Sie freuen sich und bekommen im selben Moment Panik. Wer holt sie ab? Kommt sie die Treppe hoch? Was ist mit den neuen Tabletten? Und wer ist da, wenn Sie wieder arbeiten müssen?
Dieser Text ist für genau diesen Moment. Er sagt Ihnen, was Sie noch in der Klinik klären, was Sie zu Hause vorbereiten und was in den ersten zwei Tagen wichtig ist.
Was muss die Klinik vor der Entlassung tun?
Krankenhäuser sind verpflichtet, die Versorgung nach der Entlassung zu organisieren. Das nennt sich Entlassmanagement. Dazu gehören ein Entlassbrief für den Hausarzt, ein aktueller Medikationsplan, bei Bedarf Rezepte und Verordnungen für die ersten Tage und die Vermittlung von Pflege oder Kurzzeitpflege (Erklärung im Lexikon). Zuständig ist meist der Sozialdienst, manchmal heißt er auch Pflegeüberleitung oder Case Management.
Melden Sie sich dort so früh wie möglich, nicht erst am Tag der Entlassung. Sagen Sie klar, was zu Hause geht und was nicht: Wohnt Ihre Mutter allein? Gibt es eine Treppe? Können Sie in den ersten Tagen da sein?
Zu früh entlassen?
Wenn Sie den Eindruck haben, dass die Versorgung zu Hause nicht gesichert ist, sagen Sie das deutlich: dem Stationsarzt und dem Sozialdienst. Bitten Sie darum, dass Kurzzeitpflege oder eine Übergangspflege geprüft wird. Die Klinik darf niemanden ins Ungewisse entlassen.
Checkliste: Noch in der Klinik klären
Vor der Entlassung
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Was bereite ich zu Hause vor?
Gehen Sie, wenn möglich, einen Tag vorher durch die Wohnung und stellen Sie sich vor, wie Ihre Mutter sich jetzt bewegt: langsam, unsicher, vielleicht mit Rollator.
- Wege frei machen. Teppiche weg, Kabel weg, Möbel so rücken, dass der Rollator durchkommt.
- Schlafplatz prüfen. Reicht das Bett, oder muss es vorübergehend ins Erdgeschoss? Ist das Bad erreichbar, auch nachts?
- Kühlschrank füllen. Einfache Dinge, die sich ohne Kochen essen lassen. Genug zu trinken.
- Licht und Telefon. Nachtlicht im Flur, Telefon neben dem Bett, wichtige Nummern groß aufgeschrieben.
- Medikamente sortieren. Eine Wochenbox mit Fächern hilft, alte Packungen zu Hause wegräumen, damit nichts doppelt genommen wird.
Mehr dazu lesen Sie im Ratgeber Stürze vermeiden.
Die ersten 48 Stunden
Schritt 1: Tag 1: Ankommen und beobachten
Keine Besuche, keine Programme. Ihre Mutter braucht Ruhe, und Sie brauchen einen Blick dafür, was wirklich geht: Aufstehen, Toilette, Treppe, Essen. Notieren Sie, wo es hakt. Das ist die Grundlage für alles Weitere.
Schritt 2: Medikamente nach Plan
Nehmen Sie den Medikationsplan der Klinik, nicht die alten Gewohnheiten. Bei Unklarheiten rufen Sie die Station oder den Hausarzt an. Nicht raten.
Schritt 3: Tag 2: Hausarzt informieren
Rufen Sie in der Praxis an, melden Sie die Entlassung und vereinbaren Sie einen Termin oder Hausbesuch. Der Hausarzt braucht den Entlassbrief und stellt die Folgerezepte aus.
Schritt 4: Pflegedienst einweisen
Wenn ein Pflegedienst kommt: Zeigen Sie ihm, wo was ist, und besprechen Sie, was genau gemacht wird. Fragen Sie, woran Sie merken, dass etwas nicht stimmt und wen Sie dann anrufen.
Schritt 5: Die nächsten Wochen planen
Wer ist wann da? Was macht der Pflegedienst, was die Familie, was eine Haushaltshilfe? Ein Wochenplan am Kühlschrank hilft allen.
Wenn Sie berufstätig sind
Für eine plötzliche Pflegesituation können Angehörige kurzfristig der Arbeit fernbleiben, um die Versorgung zu organisieren. Wie das geht, lesen Sie im Ratgeber Pflege und Beruf vereinbaren.
Woran merke ich, dass etwas nicht stimmt?
Nach einem Krankenhausaufenthalt sind ältere Menschen oft schwächer, verwirrter und unsicherer als vorher. Vieles davon bessert sich in den ersten Tagen. Bei Fieber, starken Schmerzen, plötzlicher Verwirrtheit, Atemnot, einer Wunde, die sich verändert, oder wenn Ihre Mutter kaum trinkt, warten Sie nicht ab: Rufen Sie den Hausarzt, außerhalb der Sprechzeiten den ärztlichen Bereitschaftsdienst unter 116117, in Notfällen die 112.
Es muss nicht alles am ersten Tag perfekt sein
Die ersten Tage nach der Entlassung sind holprig, fast immer. Es fehlt ein Rezept, das Pflegebett kommt zwei Tage später, die Tabletten sind verwirrend. Das ist normal und kein Zeichen, dass Sie etwas falsch machen. Wichtig ist, dass jemand den Überblick behält und dass Sie wissen, wen Sie anrufen können. Alles andere lässt sich nachholen.
Häufige Fragen
Kann das Krankenhaus meine Mutter entlassen, obwohl zu Hause niemand ist?
Die Klinik muss die Anschlussversorgung organisieren. Sagen Sie dem Sozialdienst deutlich, dass die Versorgung zu Hause nicht gesichert ist. Dann wird Kurzzeitpflege oder eine Übergangspflege geprüft.
Wer bezahlt die Kurzzeitpflege nach dem Krankenhaus?
Mit einem Pflegegrad ab 2 zahlt die Pflegekasse einen Teil aus dem Entlastungsbudget. Ohne Pflegegrad kann die Krankenkasse unter bestimmten Bedingungen eine Übergangspflege übernehmen. Der Sozialdienst der Klinik kennt die Wege.
Soll ich den Pflegegrad erst beantragen, wenn es zu Hause läuft?
Nein, lieber sofort. Leistungen gibt es ab dem Monat des Antrags. Die Begutachtung kommt später; bis dahin sehen Sie, wie viel Hilfe wirklich nötig ist.
Was ist, wenn das Pflegebett nicht rechtzeitig da ist?
Fragen Sie das Sanitätshaus nach einem Liefertermin und erklären Sie die Situation. Für die Übergangszeit helfen ein festes Bett im Erdgeschoss, eine Bettkante zum Aufstützen und ein Nachtlicht.
