Zum Inhalt springen

← Alle Magazin-Beiträge

Essen auf Rädern, Lieferdienst oder Nachbarschaftshilfe: Was passt?

Der Kühlschrank ist leer, gekocht wird nicht mehr. Welche Wege es gibt, damit ein älterer Mensch täglich warm isst, was die Unterschiede sind und wie die Pflegekasse helfen kann.

ca. 6 Min. LesezeitVeröffentlicht:

Beim letzten Besuch war im Kühlschrank ein halber Joghurt und ein Stück Käse mit grünem Rand. „Ich esse nicht mehr so viel“, sagt Ihre Mutter. Aber Sie sehen, dass die Hose weiter geworden ist. Kochen für eine Person ist mühsam, einkaufen mit dem Rollator beschwerlich, und allein am Tisch schmeckt es sowieso nicht.

Das Problem ist häufig, und es gibt mehrere Lösungen. Welche passt, hängt davon ab, was genau schwerfällt: das Einkaufen, das Kochen oder das Alleinsein.

Essen auf Rädern: Täglich ein warmes Essen

Ein Menüdienst bringt jeden Tag, auch am Wochenende, ein fertiges Mittagessen. Je nach Anbieter kommt es warm in einer Box oder gekühlt beziehungsweise tiefgekühlt für mehrere Tage, zum Aufwärmen in der Mikrowelle. Es gibt Menüs mit Auswahl, Schonkost, pürierte Kost, Diabetikeressen.

Passt, wenn Ihre Mutter noch allein essen kann, aber nicht mehr kochen will oder kann. Und wenn jemand täglich kurz an der Tür klingelt, auch eine Sicherheit ist.

Passt weniger, wenn sie das Essen stehen lässt, weil niemand mit ihr isst, oder wenn sie die Box nicht mehr öffnen oder die Mikrowelle nicht bedienen kann.

Anbieter sind Wohlfahrtsverbände, private Menüdienste und manche Pflegedienste. Fragen Sie nach Probewochen, Mindestlaufzeit und ob der Fahrer einen Moment bleibt.

Lieferdienst: Zutaten statt fertiges Essen

Supermärkte und Online-Händler liefern Lebensmittel nach Hause. Das löst das Problem des Einkaufens, nicht das des Kochens. Für viele ältere Menschen ist genau das der richtige Schritt: Sie kochen gern, schaffen aber den Weg und das Tragen nicht mehr.

Passt, wenn Ihre Mutter noch kocht oder zumindest einfache Dinge zubereitet und das Bestellen von jemandem übernommen wird. Viele Kinder bestellen von weit weg für die Eltern, mit einer festen Liste jede Woche.

Achten Sie auf Liefergebühren, Mindestbestellwert, ob die Lieferung bis in die Küche getragen wird und ob es feste Zeitfenster gibt. Für Menschen, die nicht mehr gut sehen, sind die Apps oft eine Hürde. Dann bestellen Sie.

Nachbarschaftshilfe: Hilfe mit Gesellschaft

In vielen Orten gibt es organisierte Nachbarschaftshilfe, Alltagsbegleiter und Besuchsdienste. Jemand kommt, kauft mit ein, kocht gemeinsam oder isst einfach mit. Das Essen ist dabei nur der Anlass. Der eigentliche Gewinn ist das Gespräch.

Wenn der Anbieter als „Angebot zur Unterstützung im Alltag“ anerkannt ist, kann der

Entlastungsbetrag (Erklärung im Lexikon) der Pflegekasse dafür eingesetzt werden. Die Anerkennung regelt jedes Bundesland selbst. Welche Angebote in Ihrer Region gelten, weiß der Pflegestützpunkt (Erklärung im Lexikon). Mehr dazu im Ratgeber Entlastungsbetrag nutzen.

Der Mittagstisch

Kirchengemeinden, Begegnungsstätten, Seniorentreffs und manche Pflegeheime bieten einen offenen Mittagstisch an. Ein warmes Essen in Gesellschaft, oft mit Fahrdienst. Für Menschen, die zu Hause nicht mehr essen mögen, ist das manchmal die beste Lösung von allen.

Haushaltshilfe und Pflegedienst

Wenn ein Pflegegrad (Erklärung im Lexikon) vorliegt, kann auch ein Pflegedienst (Erklärung im Lexikon) hauswirtschaftliche Hilfe leisten, also einkaufen und kochen, abgerechnet als

Pflegesachleistungen (Erklärung im Lexikon). Und eine Haushaltshilfe, die einmal die Woche vorkocht und portionsweise einfriert, lässt sich oft über den Entlastungsbetrag finanzieren.

Welche Lösung passt zu uns?

  1. Schritt 1: Herausfinden, was wirklich fehlt

    Ist es das Einkaufen? Dann reicht ein Lieferdienst. Das Kochen? Dann Essen auf Rädern. Die Gesellschaft? Dann Mittagstisch oder Nachbarschaftshilfe. Oft ist es eine Mischung.

  2. Schritt 2: Mit Ihrer Mutter sprechen

    Sie entscheidet. Viele lehnen „Essen auf Rädern“ ab, weil es nach Altenheim klingt, und finden „ein Menüdienst wie im Restaurant“ in Ordnung. Worte machen einen Unterschied.

  3. Schritt 3: Eine Probewoche machen

    Fast alle Anbieter bieten eine. Fragen Sie danach, wie es geschmeckt hat und ob die Portion gepasst hat. Und schauen Sie in den Kühlschrank.

  4. Schritt 4: Den Wochenplan aufschreiben

    Montag und Donnerstag Mittagstisch, sonst Menüdienst, Samstag kommt die Enkelin zum Kochen. Ein Zettel am Kühlschrank hilft allen, auch dem Pflegedienst.

Wenn jemand auffällig wenig isst

Gewichtsverlust, keine Lust auf Essen, Schwierigkeiten beim Kauen oder Schlucken: Das können Zeichen einer Erkrankung, einer Depression oder einer beginnenden Demenz sein. Sprechen Sie mit dem Hausarzt, bevor Sie nur die Lieferung umstellen.

Trinken nicht vergessen

Bei allem Reden über Essen: Viele ältere Menschen trinken zu wenig, weil der Durst nachlässt und der Weg zur Toilette lästig ist. Stellen Sie Getränke sichtbar hin, bitten Sie den Menüdienst, eine Flasche mitzubringen, und machen Sie das Trinken zum Ritual: ein Glas zu jeder Mahlzeit, eines zur Tagesschau. Wie viel bei Herz- oder Nierenerkrankungen richtig ist, sagt der Arzt.

Essen ist mehr als Nahrung

Ein warmes Essen am Tag hält bei Kräften. Aber ein Essen, das jemand mit Ihrer Mutter teilt, hält am Leben. Wenn Sie können, kombinieren Sie beides: den praktischen Dienst für den Alltag und mindestens einen Tag in der Woche, an dem jemand mit am Tisch sitzt. Das muss nicht immer die Familie sein. Aber es muss jemand sein.

Häufige Fragen

Zahlt die Pflegekasse Essen auf Rädern?

In der Regel nicht direkt. Das Essen selbst ist Lebenshaltung. Die Lieferung oder eine Haushaltshilfe können aber über den Entlastungsbetrag laufen, wenn der Anbieter anerkannt ist. Fragen Sie beim Anbieter und beim Pflegestützpunkt nach.

Was ist, wenn meine Mutter das gelieferte Essen nicht isst?

Dann ist das Problem meist nicht das Essen, sondern das Alleinsein. Probieren Sie einen Mittagstisch, eine Nachbarschaftshilfe, die mitisst, oder feste gemeinsame Mahlzeiten per Videoanruf.

Gibt es Essen auf Rädern auch für Diabetiker oder bei Schluckproblemen?

Ja. Die meisten Menüdienste bieten Schonkost, Diabetikerkost, pürierte oder passierte Kost an. Sprechen Sie Besonderheiten beim Erstgespräch an.

Kann der Pflegedienst auch kochen?

Ja, hauswirtschaftliche Versorgung gehört zu den Leistungen eines Pflegedienstes und kann über Pflegesachleistungen abgerechnet werden, wenn ein Pflegegrad vorliegt.

Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall

Dieser Beitrag beschreibt, was sich in vielen Familien bewährt hat. Er ersetzt kein Gespräch mit dem Arzt, der Pflegekasse oder einer Beratungsstelle. Was Ihnen zusteht, entscheidet Ihre Pflegekasse.