Zum Inhalt springen

← Alle Magazin-Beiträge

Tagespflege: So sieht ein Tag dort aus und für wen sie passt

Morgens abgeholt, abends zurück: Was in einer Tagespflege passiert, für wen sie sich eignet, wie Sie einen Platz finden und wie Sie die ersten Tage leichter machen.

ca. 6 Min. LesezeitVeröffentlicht:

„Ich gehe doch nicht in so eine Anstalt.“ Das sagen viele, bevor sie das erste Mal da waren. Und viele dieser Menschen sitzen ein paar Monate später morgens um acht angezogen im Flur, weil der Bus gleich kommt. Die Tagespflege (Erklärung im Lexikon) ist eines der Angebote, die Familien am meisten entlasten und am wenigsten kennen. Dieser Text zeigt, wie ein Tag dort aussieht.

Wie läuft ein Tag in der Tagespflege ab?

Die Einrichtungen unterscheiden sich, aber der Grundrhythmus ist ähnlich:

Morgens. Ein Fahrdienst holt Ihre Mutter zu Hause ab, oft zwischen acht und neun Uhr. Wer möchte, frühstückt in der Tagespflege gemeinsam mit den anderen.

Vormittag. Es gibt ein Programm: Gymnastik im Sitzen, Gedächtnistraining, Zeitung lesen, Singen, Basteln, ein Spaziergang. Niemand muss mitmachen, aber die meisten tun es, weil es in der Gruppe leichter fällt.

Mittag. Gemeinsames Essen, danach Ruhezeit. Es gibt Sessel oder Liegen, wer möchte, schläft eine Stunde.

Nachmittag. Kaffee und Kuchen, noch einmal Bewegung oder ein Spiel, Gespräche. Pflegekräfte helfen zwischendurch beim Gang zur Toilette, beim Essen oder bei Medikamenten.

Abends. Der Fahrdienst bringt alle nach Hause, meist zwischen 16 und 17 Uhr. Ihre Mutter kommt in ihre eigene Wohnung, in ihr eigenes Bett.

Pflegerische Aufgaben wie Medikamentengabe, Hilfe beim Toilettengang oder beim Essen gehören dazu. Medizinische Behandlung, etwa Wundversorgung, bleibt beim Pflegedienst oder Arzt.

Für wen passt die Tagespflege?

Tagespflege ist gut für Menschen, die zu Hause allein nicht gut aufgehoben sind, aber nicht ins Heim möchten oder müssen. Typische Situationen:

  • Ihr Vater sitzt tagsüber allein vor dem Fernseher und baut sichtbar ab.
  • Ihre Mutter hat eine beginnende Demenz (Erklärung im Lexikon) und ist allein unsicher, nachts aber ruhig.
  • Sie arbeiten und können tagsüber nicht da sein.
  • Sie pflegen seit Monaten und brauchen einen oder zwei Tage in der Woche für sich.
  • Der Partner pflegt und kommt an seine Grenze.

Weniger geeignet ist sie, wenn jemand bettlägerig ist oder den Transport nicht mehr schafft. Und sie passt nicht für Menschen, die Gruppen grundsätzlich nicht aushalten. Das lässt sich aber nur ausprobieren.

Gerade bei Demenz oft ein Gewinn

Viele Einrichtungen haben Gruppen speziell für Menschen mit Demenz. Der feste Tagesablauf, die Beschäftigung und die Gesellschaft tun gut. Und abends sind viele ausgeglichener und schlafen besser.

Wer bezahlt die Tagespflege?

Die Pflegekasse (Erklärung im Lexikon) hat für Tages- und Nachtpflege (Erklärung im Lexikon) ein eigenes Budget, ab Pflegegrad 2. Es wird nicht vom Pflegegeld oder den Sachleistungen abgezogen, Sie bekommen also beides nebeneinander. Mit Pflegegrad 1 kann der

Entlastungsbetrag (Erklärung im Lexikon) eingesetzt werden. Was Sie selbst zahlen, sind meist die Mahlzeiten und ein Anteil für Unterkunft, je nach Einrichtung. Fragen Sie nach einer schriftlichen Aufstellung. Wie hoch das Budget ist, zeigt der Pflege-Navigator.

So finden Sie einen Platz

  1. Schritt 1: Einrichtungen in der Nähe suchen

    Der Pflegestützpunkt, die Pflegekasse oder der Hausarzt kennen die Tagespflegen in der Region. Achten Sie auf die Fahrtzeit: Eine Stunde im Bus morgens und abends ist zu viel.

  2. Schritt 2: Anschauen, ohne Angehörigen

    Gehen Sie zuerst allein hin. Wie ist die Stimmung? Wie reden die Mitarbeiter mit den Gästen? Gibt es einen Garten, Rückzugsräume, eine Demenz-Gruppe?

  3. Schritt 3: Probetag vereinbaren

    Fast alle Einrichtungen bieten einen Schnuppertag an. Begleiten Sie Ihre Mutter beim ersten Mal, wenn sie das möchte, und holen Sie sie vielleicht früher ab.

  4. Schritt 4: Tage festlegen und Vertrag lesen

    Zwei Tage pro Woche zum Anfang sind oft ein guter Einstieg. Prüfen Sie Kündigungsfristen, Kosten für Mahlzeiten und was bei Krankheit gilt.

Die ersten Wochen: Was, wenn sie nicht will?

Rechnen Sie damit, dass der Anfang schwer ist. „Da sind nur alte Leute.“ „Das Essen schmeckt nicht.“ „Ich will lieber zu Hause bleiben.“ Das ist normal, und es sagt wenig darüber, wie es in vier Wochen sein wird.

Was hilft: Bleiben Sie freundlich und bestimmt. Vereinbaren Sie einen Zeitraum, zum Beispiel sechs Besuche, bevor entschieden wird. Bitten Sie die Mitarbeiter, Ihre Mutter gezielt anzusprechen und ihr eine Aufgabe zu geben, den Tisch decken, die Blumen gießen. Wer gebraucht wird, kommt gern wieder.

Wenn es wirklich nicht passt

Manchmal stimmt die Chemie nicht, oder die Gruppe ist zu groß. Dann probieren Sie eine andere Einrichtung, bevor Sie die Idee ganz aufgeben. Tagespflegen sind so unterschiedlich wie Schulen.

Ein Tag Pause ist kein Verrat

Viele Angehörige haben ein schlechtes Gewissen, wenn sie die Mutter „weggeben“. Dabei ist die Tagespflege das Gegenteil: Sie macht es möglich, dass Ihre Mutter länger zu Hause bleibt, weil Sie die anderen Tage durchhalten. Und für Ihre Mutter ist ein Tag mit Gesellschaft, Bewegung und einem warmen Essen oft besser als ein Tag allein auf dem Sofa.

Häufige Fragen

Wird die Tagespflege vom Pflegegeld abgezogen?

Nein. Tages- und Nachtpflege hat ein eigenes Budget bei der Pflegekasse, das Sie zusätzlich zu Pflegegeld oder Sachleistungen nutzen können.

Gibt es Tagespflege auch mit Pflegegrad 1?

Das eigene Budget gilt ab Pflegegrad 2. Mit Pflegegrad 1 können Sie den Entlastungsbetrag für die Tagespflege einsetzen. Die Einrichtung rechnet das direkt mit der Kasse ab.

Muss meine Mutter jeden Tag hingehen?

Nein. Sie buchen einzelne Wochentage, zum Beispiel montags und donnerstags. Viele Einrichtungen sind flexibel, wenn ein Tag einmal ausfällt oder ein zusätzlicher gebraucht wird.

Was ist, wenn der Fahrdienst nicht klappt?

Der Fahrdienst gehört in der Regel zum Angebot und wird über das Budget mit abgerechnet. Klären Sie vorher, ob jemand beim Ein- und Aussteigen hilft und ob ein Rollstuhl transportiert werden kann.

Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall

Dieser Beitrag beschreibt, was sich in vielen Familien bewährt hat. Er ersetzt kein Gespräch mit dem Arzt, der Pflegekasse oder einer Beratungsstelle. Was Ihnen zusteht, entscheidet Ihre Pflegekasse.