Zum Inhalt springen

← Alle Magazin-Beiträge

AlltagMit ChecklisteNeu

Weihnachten und Familienfeste mit einem pflegebedürftigen Angehörigen

Alle wollen ein schönes Fest, und einer braucht Ruhe, Hilfe beim Essen und sein Bett um acht. Wie Sie Feiertage planen, Erwartungen abstimmen und die Versorgung über die Feiertage sichern.

ca. 6 Min. LesezeitVeröffentlicht:

Früher hat Ihre Mutter das Weihnachtsessen für zwölf Leute gekocht. Dieses Jahr sitzt sie im Rollstuhl, ermüdet nach einer Stunde und findet im Trubel nicht mehr die Worte. Ihre Kinder wollen die Oma sehen, Ihre Schwester bringt ihren neuen Freund mit, und Sie fragen sich, wie das alles gehen soll, ohne dass jemand weint. Am ehesten Sie selbst.

Familienfeste mit einem pflegebedürftigen Menschen sind anders. Aber sie können schön sein, wenn Sie sie anders planen.

Was ist realistisch?

Die ehrlichste Frage zuerst: Was schafft Ihre Mutter, und was schaffen Sie? Ein Nachmittag mit allen, oder lieber zwei kleine Besuche an zwei Tagen? Essen am großen Tisch, oder ein Teller im Sessel, mit einem Enkel daneben? Das Fest bei ihr zu Hause, wo alles vertraut ist, oder bei Ihnen, wo die Treppe ein Problem wird?

Sprechen Sie mit Ihrer Mutter darüber, was sie sich wünscht. Oft ist es weniger, als die Familie denkt: die Enkel sehen, ein bekanntes Lied, das Essen, das es immer gab. Und sprechen Sie mit der Familie, bevor Pläne gemacht werden. Ein Satz, der hilft: „Oma kann dieses Jahr etwa zwei Stunden, dann braucht sie Ruhe. Lasst uns das so planen.“

Kürzer ist besser

Ein gelungenes Fest von zwei Stunden ist mehr wert als ein anstrengendes von sechs. Planen Sie einen klaren Anfang und ein klares Ende, und lassen Sie Ihre Mutter gehen, wenn sie müde wird, ohne dass sich jemand verabschieden muss.

Checkliste: Vor den Feiertagen regeln

Versorgung über die Feiertage sichern

0 von 7 erledigt

Ihre Häkchen bleiben auf diesem Gerät gespeichert.

Wie gestalten wir den Tag?

  1. Schritt 1: Den vertrauten Rhythmus behalten

    Aufstehen, Essen und Schlafen zu den gewohnten Zeiten. Ein Fest, das den Tag auf den Kopf stellt, kostet mehr Kraft, als es gibt.

  2. Schritt 2: Einen Rückzugsort einrichten

    Ein ruhiges Zimmer mit Sessel oder Bett, in das sich Ihre Mutter zurückziehen kann, ohne dass das Fest endet. Und jemand, der mitgeht, wenn sie möchte.

  3. Schritt 3: Weniger Reize

    Kein lauter Fernseher, keine drei Gespräche gleichzeitig, nicht alle Enkel auf einmal. Lieber ein Kind nach dem anderen, das etwas zeigt.

  4. Schritt 4: Essen, das geht

    Weiche Stücke, mundgerecht, nicht zu viel auf dem Teller. Wer Hilfe beim Essen braucht, bekommt sie unauffällig vom Nachbarn am Tisch, nicht von allen Augen beobachtet.

  5. Schritt 5: Aufgaben verteilen

    Eine Person ist an diesem Tag für Ihre Mutter da, nicht Sie allein und nicht nebenbei. Wechseln Sie sich ab, damit auch Sie am Tisch sitzen können.

Was ist bei Demenz anders?

Menschen mit Demenz (Erklärung im Lexikon) reagieren auf Trubel oft mit Unruhe, Rückzug oder Tränen. Vieles, was ein Fest ausmacht, überfordert: viele Gesichter, Lärm, fremde Räume, ein verschobener Tagesablauf. Was hilft:

  • Das Fest bei ihr zu Hause oder in einem Raum, den sie kennt.
  • Wenige Menschen auf einmal, und jeder stellt sich mit Namen vor, ohne Prüfungsfragen wie „Weißt du noch, wer ich bin?“.
  • Alte Weihnachtslieder, der Duft von Plätzchen, der Baum: Erinnerungen über die Sinne erreichen Menschen mit Demenz oft noch lange.
  • Geschenke, die nicht überfordern: ein weiches Tuch, ein Fotoalbum, eine Dose Pralinen statt eines Geräts mit Knöpfen.
  • Keine Korrekturen. Wenn sie glaubt, es sei Weihnachten 1975, dann ist es das heute.

Nach dem Fest kann es schwieriger werden

Viele Angehörige berichten, dass Menschen mit Demenz nach einem Fest zwei, drei Tage unruhiger oder verwirrter sind. Das ist normal. Planen Sie danach ruhige Tage ein und erschrecken Sie nicht.

Und Sie selbst?

Wer das ganze Jahr pflegt, trägt an Weihnachten doppelt: die Pflege und die Erwartung, dass es schön wird. Sagen Sie der Familie offen, was Sie brauchen. Vielleicht ist es, dass jemand anderes den Heiligabend bei Ihrer Mutter übernimmt und Sie einmal nur Gast sind. Vielleicht ist es ein Tag zwischen den Jahren, an dem Sie gar nichts müssen. Die

Verhinderungspflege (Erklärung im Lexikon) gilt auch an Feiertagen. Mehr dazu im Ratgeber Pause für Pflegende.

Es darf anders sein als früher

Das Fest wird nicht so wie vor zehn Jahren. Das ist traurig, und es darf traurig sein. Aber ein kleines, ruhiges Fest, bei dem Ihre Mutter zwei Stunden lang gelächelt hat und danach müde und zufrieden eingeschlafen ist, ist ein gelungenes Fest. Alles andere ist Dekoration.

Häufige Fragen

Kommt der Pflegedienst auch an Weihnachten?

Ja, die Versorgung läuft an Feiertagen weiter, manchmal zu anderen Zeiten. Klären Sie die Zeiten einige Wochen vorher und notieren Sie die Notfallnummer des Dienstes.

Soll ich meine Mutter aus dem Heim nach Hause holen?

Wenn sie es möchte und der Transport und die Pflege für diese Stunden gesichert sind, kann das ein großes Geschenk sein. Sprechen Sie vorher mit dem Heim über Medikamente, Hilfsmittel und die Rückkehrzeit. Für manche ist ein Besuch im Heim mit vertrauter Umgebung die ruhigere Lösung.

Kann ich über Weihnachten Verhinderungspflege nutzen?

Ja. Die Verhinderungspflege gilt unabhängig vom Datum. Beantragen Sie sie rechtzeitig, weil Ersatzpflegekräfte und Kurzzeitpflegeplätze über die Feiertage schnell vergeben sind.

Wie erkläre ich den Enkeln, dass die Oma anders ist?

Ehrlich und einfach: Oma ist krank, sie vergisst Dinge und wird schnell müde, aber sie freut sich, euch zu sehen. Geben Sie Kindern eine kleine Aufgabe, etwa ein Lied vorsingen oder ein Bild zeigen. Das nimmt die Unsicherheit auf beiden Seiten.

Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall

Dieser Beitrag beschreibt, was sich in vielen Familien bewährt hat. Er ersetzt kein Gespräch mit dem Arzt, der Pflegekasse oder einer Beratungsstelle. Was Ihnen zusteht, entscheidet Ihre Pflegekasse.