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Pflegeheim oder zu Hause? Fragen, die bei der Entscheidung helfen

Es gibt keine richtige Antwort, aber es gibt gute Fragen. Was für den Verbleib zu Hause spricht, was für ein Heim, wie Sie beides ausprobieren können und wie Sie mit dem schlechten Gewissen umgehen.

ca. 7 Min. LesezeitVeröffentlicht:

Der dritte Sturz in einem halben Jahr. Der Pflegedienst kommt dreimal am Tag, Sie jeden Abend, und trotzdem liegt Ihre Mutter nachts allein. Ihr Bruder sagt: „Sie gehört ins Heim.“ Sie sagen: „Sie hat mich gebeten, das nie zu tun.“ Und nachts fragen Sie sich, ob Sie gerade ihr Versprechen halten oder sie in Gefahr bringen.

Diese Entscheidung gehört zu den schwersten, die Familien treffen. Es gibt keine Formel. Aber es gibt Fragen, die helfen, klarer zu sehen.

Die Frage ist anders, als sie klingt

„Heim oder zu Hause“ klingt nach zwei Welten. In Wirklichkeit geht es um drei Dinge: Wie viel Hilfe braucht Ihre Mutter, zu welchen Tageszeiten? Wer kann sie leisten, ohne selbst krank zu werden? Und was wünscht sie sich, wenn sie alle Möglichkeiten kennt?

Zwischen „allein zu Hause“ und „Pflegeheim“ liegen viele Stufen: Tagespflege (Erklärung im Lexikon) an einigen Tagen, ein Pflegedienst, der öfter kommt, eine Betreuungskraft im Haus, betreutes Wohnen, eine Pflege-Wohngemeinschaft. Manchmal ist die Antwort nicht das Heim, sondern eine Stufe mehr Hilfe. Manchmal reicht keine Stufe mehr.

Fragen, die bei der Entscheidung helfen

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Das alte Versprechen

„Versprich mir, dass ich nie ins Heim muss.“ Viele haben das gesagt und gemeint. Aber das Versprechen wurde in einer anderen Lage gegeben. Was Ihre Mutter damals eigentlich wollte, war: nicht abgeschoben, nicht allein, nicht würdelos behandelt zu werden. Das können Sie auch in einem Heim einlösen.

Was spricht für zu Hause?

Die vertraute Umgebung, der eigene Rhythmus, die Nachbarn, der Garten, die Katze. Für Menschen mit Demenz (Erklärung im Lexikon) ist Vertrautheit besonders wichtig. Zu Hause bleibt mehr Selbstbestimmung, und für viele ist es schlicht der Ort, an dem sie sterben möchten.

Es spricht aber nur dann für zu Hause, wenn die Versorgung dort wirklich funktioniert. Ein Zuhause, in dem jemand nachts stürzt und tagsüber allein ist, ist kein Zuhause mehr, sondern ein Risiko.

Was spricht für ein Heim?

Hilfe rund um die Uhr, auch nachts. Gesellschaft und Beschäftigung, die zu Hause oft fehlen. Fachkräfte, die Demenz, Schmerzen und Medikamente kennen. Und: Die Familie kann wieder Familie sein, Tochter statt Pflegekraft. Besuche, bei denen man sich Zeit nimmt, statt den Verbandswechsel zu schaffen.

Heime sind unterschiedlich. Es gibt gute, mittelmäßige und schlechte, wie überall. Schauen Sie sich mehrere an, zu unterschiedlichen Tageszeiten, und sprechen Sie mit Bewohnern und Angehörigen.

Wie können wir es ausprobieren?

  1. Schritt 1: Kurzzeitpflege nutzen

    Mit Pflegegrad ab 2 bezahlt die Pflegekasse einen Teil der Kurzzeitpflege (Erklärung im Lexikon): einige Wochen im Heim, zum Beispiel während Ihres Urlaubs. Ihre Mutter lernt die Einrichtung kennen, Sie sehen, wie es ihr dort geht. Und beide können danach entscheiden.

  2. Schritt 2: Tagespflege als Zwischenschritt

    Zwei oder drei Tage pro Woche in der Tagespflege zeigen, wie Ihre Mutter auf Gruppe, Programm und fremde Pflegekräfte reagiert.

  3. Schritt 3: Pflegeberatung dazu holen

    Die Pflegeberatung (Erklärung im Lexikon) der Kasse und der Pflegestützpunkt kennen die Einrichtungen in der Region, wissen, was finanziell geht, und sehen die Lage von außen.

  4. Schritt 4: Eine Entscheidung auf Zeit

    Vereinbaren Sie, dass nach drei Monaten gemeinsam geschaut wird. Das macht den Schritt leichter, auch für Ihre Mutter.

Nicht aus dem Krankenhaus heraus entscheiden

Nach einem Krankenhausaufenthalt sind viele ältere Menschen so geschwächt, dass ein Heim unausweichlich scheint. Oft erholen sie sich zu Hause oder in der Kurzzeitpflege wieder. Wenn möglich, treffen Sie die endgültige Entscheidung nicht in der ersten Woche nach der Entlassung.

Was ist mit dem Geld?

Im Heim zahlt die Pflegekasse (Erklärung im Lexikon) einen Anteil an den Pflegekosten, abhängig vom

Pflegegrad (Erklärung im Lexikon). Unterkunft, Verpflegung und ein Teil der Pflege bleiben als Eigenanteil bei der Bewohnerin. Reichen Rente und Vermögen nicht, kann das Sozialamt mit „Hilfe zur Pflege“ einspringen; Kinder werden dafür nur ab einem hohen Einkommen herangezogen. Welche Beträge gelten, erfahren Sie bei der Pflegekasse, beim Heim und im Pflege-Navigator. Lassen Sie sich die Kosten eines Heims immer schriftlich aufschlüsseln.

Das schlechte Gewissen

Es wird kommen, egal wie Sie entscheiden. Wenn Sie Ihre Mutter zu Hause lassen und etwas passiert, fragen Sie sich, warum Sie nicht früher gehandelt haben. Wenn sie ins Heim zieht, fragen Sie sich, ob Sie sie abgeschoben haben. Beides ist normal, und beides sagt nichts über die Richtigkeit der Entscheidung.

Was hilft: die Entscheidung gemeinsam treffen, mit Ihrer Mutter, mit der Familie, mit einer Beratung. Aufschreiben, warum Sie sich so entschieden haben, damit Sie es in schwachen Momenten nachlesen können. Und sich erinnern, dass Sie nicht aufhören, Tochter oder Sohn zu sein. Sie hören nur auf, Pflegekraft zu sein.

Häufige Fragen

Ab welchem Pflegegrad muss jemand ins Heim?

Es gibt keine Pflicht. Auch mit Pflegegrad 5 können Menschen zu Hause gepflegt werden, wenn die Versorgung gesichert ist. Entscheidend ist, ob die Hilfe zu Hause ausreicht und wer sie leistet.

Kann meine Mutter ein Heim ausprobieren?

Ja, über die Kurzzeitpflege. Mit Pflegegrad ab 2 übernimmt die Pflegekasse einen Teil der Kosten für einige Wochen. Viele Heime bieten diese Plätze an, gerade nach Krankenhausaufenthalten oder während des Urlaubs der Angehörigen.

Müssen Kinder für das Heim ihrer Eltern zahlen?

Nur, wenn das Einkommen der Kinder sehr hoch ist. Reichen Rente und Vermögen der Eltern nicht, springt zuerst das Sozialamt ein. Lassen Sie sich dazu beim Sozialamt oder einer Beratungsstelle informieren.

Wie erkenne ich ein gutes Heim?

Besuchen Sie es unangemeldet zu verschiedenen Zeiten. Achten Sie auf den Umgangston, die Stimmung, Gerüche, ob Bewohner beschäftigt sind oder allein sitzen. Sprechen Sie mit Angehörigen anderer Bewohner und fragen Sie nach dem letzten Prüfbericht.

Allgemeine Information, keine Beratung im Einzelfall

Dieser Beitrag beschreibt, was sich in vielen Familien bewährt hat. Er ersetzt kein Gespräch mit dem Arzt, der Pflegekasse oder einer Beratungsstelle. Was Ihnen zusteht, entscheidet Ihre Pflegekasse.