Hausnotruf: Lohnt er sich und wie bekommt man ihn?
Ein Knopf am Handgelenk, und Hilfe kommt. Für wen ein Hausnotruf sinnvoll ist, wie er funktioniert, was die Pflegekasse dazu beiträgt und worauf Sie beim Anbieter achten sollten.
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Ihre Mutter ist im Bad gestürzt und hat zwei Stunden auf dem Boden gelegen, bis die Nachbarin sich gewundert hat. Nichts gebrochen, aber seitdem haben Sie beide Angst vor dem nächsten Mal. Genau für diese Situation gibt es den Hausnotruf. Und genau deshalb lehnen ihn viele ältere Menschen zuerst ab: Er erinnert sie daran, dass etwas passieren könnte.
Wie funktioniert ein Hausnotruf?
Das System besteht aus zwei Teilen. Ein Basisgerät mit Lautsprecher und Mikrofon steht in der Wohnung, meist im Wohnzimmer oder Flur. Dazu kommt ein kleiner Sender mit Knopf, den Ihre Mutter am Handgelenk oder als Kette trägt. Drückt sie den Knopf, meldet sich innerhalb kurzer Zeit eine Zentrale über den Lautsprecher. Die Mitarbeiter fragen, was los ist, und entscheiden dann: Nachbarn oder Angehörige anrufen, einen Mitarbeiter mit dem hinterlegten Schlüssel vorbeischicken oder den Rettungsdienst alarmieren.
Wichtig: Der Sender funktioniert in der ganzen Wohnung, auch unter der Dusche. Draußen im Garten oder auf dem Weg zum Bäcker meist nicht. Dafür gibt es mobile Notrufsysteme, die wie ein kleines Handy arbeiten.
Für wen lohnt sich ein Hausnotruf?
Ein Hausnotruf (Erklärung im Lexikon) ist dann sinnvoll, wenn drei Dinge zusammenkommen: Die Person ist oft allein, sie hat ein Risiko zu stürzen oder plötzlich Hilfe zu brauchen, und sie kann im Notfall noch einen Knopf drücken.
Typische Situationen:
- Sie lebt allein, und niemand würde merken, wenn sie morgens nicht aufsteht.
- Sie ist schon einmal gestürzt oder hat Schwindel, Herzprobleme oder Diabetes.
- Sie geht nachts allein zur Toilette und ist dabei unsicher.
- Der Partner ist zwar da, könnte aber selbst keine Hilfe holen.
Weniger geeignet ist der Hausnotruf bei einer fortgeschrittenen Demenz (Erklärung im Lexikon). Wer den Knopf nicht mehr versteht oder ihn ständig drückt, braucht andere Lösungen, zum Beispiel Sensoren oder regelmäßige Besuche.
Der Knopf muss getragen werden
Die häufigste Erfahrung: Das Gerät steht in der Wohnung, der Sender liegt auf dem Nachttisch. Besprechen Sie das offen. Manche tragen lieber die Uhr am Handgelenk als die Kette, manche brauchen eine Erinnerung am Badspiegel. Üben Sie den Probealarm gemeinsam, damit die Hemmung sinkt.
Was zahlt die Pflegekasse?
Der Hausnotruf gilt als Pflegehilfsmittel (Erklärung im Lexikon). Die Pflegekasse beteiligt sich mit einem festen monatlichen Zuschuss am Basisgerät, wenn ein Pflegegrad (Erklärung im Lexikon) vorliegt, schon ab Pflegegrad 1, und die Person überwiegend allein lebt oder mit jemandem, der im Notfall keine Hilfe holen könnte. Wie hoch der Zuschuss ist und was darüber hinaus anfällt, zeigt Ihnen der Pflege-Navigator und Ihre Pflegekasse.
Zusatzleistungen wie Schlüsselhinterlegung, Erinnerung an Medikamente oder ein mobiler Notruf zahlen Sie in der Regel selbst.
Schritt 1: Anbieter aussuchen
Wohlfahrtsverbände, private Anbieter, manchmal auch der örtliche Pflegedienst bieten Hausnotruf an. Fragen Sie den Pflegestützpunkt, wer in Ihrer Region gut erreichbar ist.
Schritt 2: Antrag über den Anbieter
Die meisten Anbieter stellen den Antrag bei der Pflegekasse für Sie. Sie brauchen dafür die Versichertennummer und den Pflegegrad-Bescheid.
Schritt 3: Gerät anschließen lassen
Ein Mitarbeiter installiert das Basisgerät, erklärt alles und macht den ersten Probealarm. Fragen Sie, wie die Zentrale erreichbar ist, wenn der Strom ausfällt.
Schritt 4: Kontakte hinterlegen
Wer soll zuerst angerufen werden? Wer hat einen Schlüssel? Wo liegt die Medikamentenliste? Je besser die Zentrale informiert ist, desto schneller hilft sie.
Worauf sollte ich beim Anbieter achten?
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Haustürgeschäfte und Druck
Seriöse Anbieter drängen nicht. Wenn jemand an der Tür steht oder am Telefon sofort einen Vertrag will, lassen Sie sich Zeit und vergleichen Sie. Ein Hausnotruf ist ein Dauervertrag, der zu den Lebensumständen passen muss.
Ein Knopf ersetzt keine Besuche
Der Hausnotruf nimmt Ihnen Angst, aber er sieht nicht, ob Ihre Mutter isst, ob sie traurig ist oder ob die Wohnung noch sauber wird. Er ist eine Versicherung für den Ernstfall, nicht die Lösung für den Alltag. Zusammen mit regelmäßigen Anrufen, aufmerksamen Nachbarn und einer Wohnung mit wenig Stolperfallen ist er aber ein großes Stück Sicherheit. Für Ihre Mutter und für Sie.
Häufige Fragen
Bekommt man einen Hausnotruf auch ohne Pflegegrad?
Ja, jeder kann einen Hausnotruf abschließen. Den Zuschuss der Pflegekasse gibt es aber nur mit Pflegegrad. Ohne Pflegegrad zahlen Sie die monatliche Gebühr selbst.
Was passiert, wenn der Knopf aus Versehen gedrückt wird?
Nichts Schlimmes. Die Zentrale meldet sich, Ihre Mutter sagt, dass alles in Ordnung ist, fertig. Fehlalarme sind eingeplant und kosten in der Regel nichts extra.
Funktioniert der Hausnotruf auch im Garten?
Meist nur in der Wohnung und in direkter Nähe. Für draußen gibt es mobile Notrufgeräte mit Ortung, die Sie zusätzlich oder statt des Hausnotrufs nutzen können.
Hilft ein Hausnotruf bei Demenz?
Nur, solange die Person den Knopf versteht und im Notfall drückt. Bei fortgeschrittener Demenz sind Sturzsensoren, Türkontakte oder regelmäßige Besuche oft die bessere Lösung. Ein Pflegestützpunkt berät dazu.
