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Pflegekurse für Angehörige: Was Sie dort lernen

Richtig heben, ohne sich den Rücken zu ruinieren. Mit Demenz umgehen. Die eigenen Grenzen kennen. Pflegekurse sind kostenlos und bringen mehr, als viele erwarten. Ein Überblick.

ca. 4 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert:

Niemand lernt in der Schule, wie man einen Menschen aus dem Bett hebt, der nicht mehr allein aufstehen kann. Oder wie man reagiert, wenn die Mutter nachts die Wohnung verlassen will. Pflegende Angehörige lernen das meist durch Ausprobieren, mit Rückenschmerzen und schlechtem Gewissen. Es geht besser: mit einem

Pflegekurs (Erklärung im Lexikon).

Wer teilnehmen kann

Pflegekurse stehen allen offen, die einen Menschen zu Hause pflegen oder das vorhaben: Ehepartner, Kinder, Nachbarn, Freunde. Sie brauchen keinen Pflegegrad und keine Anmeldung bei der Kasse der gepflegten Person. Die Pflegekasse (Erklärung im Lexikon) ist gesetzlich verpflichtet, die Kurse kostenlos anzubieten. Oft arbeitet sie dafür mit Wohlfahrtsverbänden, Pflegediensten oder Bildungsträgern zusammen.

Welche Formen es gibt

Gruppenkurse finden an mehreren Abenden oder an einem Wochenende statt. Der Vorteil: Sie lernen andere Angehörige kennen und merken, dass Sie mit vielen Fragen nicht allein sind.

Online-Kurse lassen sich von zu Hause aus machen, zu jeder Uhrzeit. Das passt, wenn Sie die Person nicht allein lassen können. Lesen Sie dazu auch unsere Seite Pflegekurse.

Einzelschulung zu Hause. Eine Pflegefachkraft kommt zu Ihnen und übt mit Ihnen an Ort und Stelle: in Ihrem Bad, an Ihrem Bett, mit Ihrem Rollator. Das ist die praktischste Form. Auch sie bezahlt die Pflegekasse.

Themenkurse vertiefen ein Thema, zum Beispiel Demenz, Schlaganfall oder Pflege am Lebensende.

Gut zu wissen

Die Einzelschulung zu Hause ist vielen nicht bekannt. Fragen Sie die Pflegekasse danach, wenn ein Gruppenkurs für Sie nicht machbar ist oder wenn Sie eine ganz konkrete Frage haben, etwa zum Umlagern im Bett.

Was Sie lernen

  1. Schritt 1: Rückenschonend helfen

    Wie Sie jemandem beim Aufstehen, Umsetzen und Gehen helfen, ohne sich selbst zu verletzen. Welche Griffe es gibt und wie Hilfsmittel wie Rutschbrett oder Aufstehhilfe den Alltag erleichtern.

  2. Schritt 2: Körperpflege und Lagerung

    Waschen im Bett, Haut beobachten, Druckstellen vermeiden, richtig lagern. Dinge, die Pflegefachkräfte in der Ausbildung lernen, in verständlicher Form.

  3. Schritt 3: Essen, Trinken, Medikamente

    Worauf Sie bei Schluckstörungen achten, wie Sie genug Flüssigkeit anbieten und wie Sie den Überblick über Medikamente behalten.

  4. Schritt 4: Umgang mit Demenz

    Wie Sie mit Wiederholungen, Misstrauen oder Unruhe umgehen und den Tag so gestalten, dass weniger Konflikte entstehen.

  5. Schritt 5: Rechte und Leistungen

    Welche Leistungen der Pflegekasse es gibt, wie Anträge laufen und wo Sie Beratung finden.

  6. Schritt 6: Für sich selbst sorgen

    Wie Sie Ihre Grenzen erkennen, Pausen einplanen und Hilfe annehmen, bevor Sie selbst krank werden.

So finden Sie einen Kurs

Rufen Sie bei der Pflegekasse an und fragen Sie nach dem nächsten Pflegekurs in Ihrer Nähe oder nach einem Online-Angebot. Auch Pflegestützpunkt (Erklärung im Lexikon)e und Alzheimer-Gesellschaften kennen Angebote. Lassen Sie sich nicht abwimmeln: Die Kurse sind eine gesetzliche Leistung.

Kein Kurs ersetzt Hilfe

Ein Pflegekurs macht Sie nicht zur Pflegefachkraft. Wenn die Pflege zu Hause an ihre Grenzen kommt, ist ein Pflegedienst, Tagespflege oder Kurzzeitpflege die richtige Antwort, nicht noch mehr eigener Einsatz.

Was Teilnehmende sagen

Die meisten Angehörigen gehen mit einer praktischen Frage in den Kurs und kommen mit etwas anderem heraus: dem Gefühl, nicht allein zu sein, und der Erlaubnis, Hilfe anzunehmen. Dazu kommt das Handwerk, das den Alltag leichter macht. Wenn Sie sich fragen, ob sich die Zeit lohnt: Sie lohnt sich. Mehr zu Auszeiten lesen Sie im Text Pause für Pflegende.

Häufige Fragen

Kostet ein Pflegekurs etwas?

Nein. Die Pflegekasse bezahlt Pflegekurse für Angehörige. Das gilt für Gruppenkurse, Online-Kurse und die Einzelschulung zu Hause.

Braucht die gepflegte Person einen Pflegegrad?

Nein. Pflegekurse stehen allen offen, die einen Menschen zu Hause pflegen oder das vorhaben. Auch wer sich nur informieren möchte, darf teilnehmen.

Kann die Schulung auch bei mir zu Hause stattfinden?

Ja. Die Pflegekasse bezahlt auch eine Einzelschulung in Ihrer Wohnung. Eine Pflegefachkraft übt dann mit Ihnen an Ort und Stelle. Fragen Sie Ihre Pflegekasse danach.

Wie lange dauert ein Pflegekurs?

Das ist unterschiedlich. Gruppenkurse laufen oft über mehrere Abende oder ein Wochenende. Online-Kurse machen Sie in Ihrem Tempo. Einzelschulungen dauern meist wenige Stunden.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung

Der Pflege-Navigator gibt eine erste Orientierung. Ob und in welcher Höhe Sie eine Leistung bekommen, entscheidet Ihre Pflegekasse. Wenn Sie mit einem Bescheid nicht einverstanden sind, helfen Ihnen die Pflegekasse, ein Pflegestützpunkt oder ein Sozialverband weiter.