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Demenz: Mit Angehörigen gut kommunizieren

Dieselbe Frage zum fünften Mal, Vorwürfe, die nicht stimmen, Worte, die fehlen: Gespräche mit einem Menschen mit Demenz folgen eigenen Regeln. Was hilft, was verletzt und wie Sie ruhig bleiben.

ca. 5 Min. LesezeitZuletzt aktualisiert:

„Wann kommt Mama?“ fragt die 85-jährige Mutter, deren eigene Mutter seit vierzig Jahren tot ist. Was antworten Sie? Die Wahrheit löst Trauer aus, als wäre es das erste Mal. Eine Lüge fühlt sich falsch an. Solche Momente gehören zum Alltag mit Demenz (Erklärung im Lexikon). Dieser Text zeigt, wie Gespräche gelingen können, ohne dass jemand verletzt wird.

Was sich bei Demenz verändert

Eine Demenz verändert nicht nur das Gedächtnis. Wörter fehlen, lange Sätze werden nicht mehr verstanden, Ironie geht verloren. Das Gespür für Stimmung bleibt dagegen oft lange erhalten. Die Person merkt, ob Sie genervt sind, auch wenn sie nicht versteht, warum. Darum wirkt das Wie oft mehr als das Was.

Die wichtigsten Regeln

  1. Schritt 1: Aufmerksamkeit holen

    Gehen Sie zur Person, sprechen Sie sie mit Namen an, suchen Sie Blickkontakt. Erst dann sagen Sie, was Sie sagen wollen. Rufen aus dem Nebenzimmer kommt nicht an.

  2. Schritt 2: Kurz und einfach sprechen

    Ein Gedanke pro Satz. Eine Frage auf einmal. Statt „Möchtest du Tee oder Kaffee oder lieber Saft?“ lieber „Möchtest du Tee?“ und das Glas zeigen.

  3. Schritt 3: Zeit lassen

    Antworten dauern. Zählen Sie innerlich bis zehn, bevor Sie nachhaken oder die Frage wiederholen. Wiederholen Sie dann denselben Satz, nicht einen neuen.

  4. Schritt 4: Zeigen statt erklären

    Legen Sie die Jacke hin, statt das Anziehen zu beschreiben. Nehmen Sie den Löffel in die Hand und führen Sie die Bewegung vor. Handlungen werden länger verstanden als Worte.

  5. Schritt 5: Auf das Gefühl antworten

    Fragt die Mutter nach ihrer Mutter, steckt dahinter oft Sehnsucht nach Geborgenheit. Antworten Sie darauf: „Du vermisst sie. Erzähl mir von ihr.“

Gut zu wissen

Ein ruhiger, warmer Tonfall und ein Lächeln kommen an, auch wenn der Inhalt nicht verstanden wird. Umgekehrt erzeugt ein scharfer Ton Angst, selbst bei harmlosen Worten.

Was besser nicht

Nicht abfragen. „Weißt du, wer ich bin?“ oder „Was hast du heute gegessen?“ bringt die Person in Verlegenheit und erinnert sie an ihre Defizite. Sagen Sie lieber: „Ich bin es, Anna, deine Tochter.“

Nicht korrigieren. Wenn sie sagt, es sei 1975, dann ist es für sie gerade 1975. Jede Richtigstellung ist ein kleiner Verlust und bringt nichts. Gehen Sie mit, oder wechseln Sie das Thema.

Nicht diskutieren. Vorwürfe wie „Du hast mein Geld gestohlen“ sind Ausdruck von Angst und Verwirrung. Verteidigen hilft nicht. Besser: „Das ist schlimm. Lass uns zusammen suchen.“

Nicht über die Person sprechen, während sie dabei ist. Sie versteht mehr, als es scheint.

Wenn dieselbe Frage zum zehnten Mal kommt

Für die Person ist es das erste Mal. Antworten Sie, als wäre es das. Ein Zettel am Kühlschrank mit der Antwort oder eine große Uhr mit Datum nehmen Ihnen einen Teil ab. Und wenn Ihre Geduld zu Ende geht, gehen Sie kurz aus dem Raum. Das ist erlaubt.

Wenn Worte nicht mehr reichen

In späteren Phasen sprechen viele Menschen mit Demenz kaum noch. Kommunikation hört damit nicht auf. Eine Hand halten, gemeinsam ein altes Lied summen, ein vertrauter Duft, ein Foto: All das erreicht die Person. Sprechen Sie weiter mit ihr, ruhig und freundlich, auch wenn keine Antwort kommt.

Bei plötzlichen Veränderungen zum Arzt

Wird jemand innerhalb von Tagen deutlich verwirrter, aggressiver oder schläfriger, steckt oft etwas anderes dahinter: eine Infektion, Flüssigkeitsmangel, Schmerzen oder ein neues Medikament. Das ist keine Frage der Kommunikation, sondern ein Fall für den Hausarzt.

Sie selbst

Niemand bleibt immer ruhig. Wenn Sie einmal laut geworden sind, verzeihen Sie sich. Die Person vergisst den Streit, ein Neuanfang ist nach fünf Minuten möglich. In

Pflegekursen (Erklärung im Lexikon) zum Thema Demenz üben Sie solche Situationen mit anderen. Angehörigengruppen der Alzheimer-Gesellschaften geben Raum, darüber zu sprechen. Wie Sie den Alltag so gestalten, dass weniger Konflikte entstehen, lesen Sie im Text Demenz: Den Alltag strukturieren.

Häufige Fragen

Darf ich bei Demenz lügen?

Sie müssen nicht die ganze Wahrheit sagen, wenn sie nur Schmerz auslöst. Antworten Sie auf das Gefühl hinter der Frage. Das ist keine Lüge, sondern Rücksicht.

Was tun, wenn die Person mich nicht mehr erkennt?

Stellen Sie sich einfach vor, mit Namen und Beziehung, ohne Vorwurf. Bleiben Sie freundlich. Das Gefühl der Vertrautheit bleibt oft, auch wenn der Name fehlt.

Wie reagiere ich auf Beschuldigungen?

Nicht verteidigen und nicht diskutieren. Nehmen Sie das Gefühl ernst und lenken Sie um: „Das ist ärgerlich, lass uns zusammen suchen.“ Meist ist die Beschuldigung schnell vergessen.

Wo kann ich den Umgang mit Demenz lernen?

In Pflegekursen für Angehörige, die die Pflegekasse bezahlt. Die Alzheimer-Gesellschaften bieten Schulungen und Angehörigengruppen an.

Allgemeine Information, keine Rechtsberatung

Der Pflege-Navigator gibt eine erste Orientierung. Ob und in welcher Höhe Sie eine Leistung bekommen, entscheidet Ihre Pflegekasse. Wenn Sie mit einem Bescheid nicht einverstanden sind, helfen Ihnen die Pflegekasse, ein Pflegestützpunkt oder ein Sozialverband weiter.